9th December 2017

Ode an das Leben

 

Es ist Montag, der 6. November 2017 und ich bin nunmehr seit 9 Tagen in Rente. Es hat mich ein paar Tage gekostet, aber ich fange langsam an, das Rentnerdasein zu genießen.

Ich schaue aus dem Fenster auf das nahegelegene Meer an der Irischen Ostküste. Dieser Montag Morgen ist anders als die zuvor und er ist anders als meine zukünftigen Montag Morgen sein werden. Wie der Tag nun genau heißt, wird in Zukunft für mich nicht mehr von Bedeutung sein, weil ich nicht länger an dieses soziale Gebilde gebunden bin, das sich ‘die Woche’ nennt und aus 7 Tagen besteht von denen ich 5 dafür verschwenden muss an einen Ort zu gehen, an dem ich nicht sein will, um Dinge zu tun, die ich nicht tun will, um etwas zu verdienen (Geld), wovon ich einen Großteil dafür ausgebe wieder dorthin zu gehen wo ich nicht sein will…

Ich bin sicher nicht der einzige, dem dies auffällt, denn über das letzte Jahr hinweg habe ich einige Menschen getroffen, die ihren gut- oder mehr als gut bezahlten Job für etwas aufgeben haben, das ihnen Spaß macht und deren Leben sich seitdem zum besseren gewandelt hat. Bei denjenigen, die dies lesen möchte ich mich an dieser Stelle nochmals dafür bedanken, mich in die richtige Richtung geleitet zu haben.

Vor einigen Monaten bin ich auf Arbeit an einer Tafel vorbei gegangen, auf der folgendes stand :

Inspirierendes Zitat des Tages: Hart für etwas zu arbeiten das uns egal ist, nennt man Streß. Hart für etwas zu arbeiten das wir lieben, nennt man Leidenschaft!

Und da traf es mich wie ein Blitz: Was zum Teufel mache ich hier eigentlich noch??

Ich fand das am Ende schon ziemlich ironisch, aber wenn man sie als solche akzeptiert, findet man seine Hinweise überall!

Die darauf folgenden Monate waren eine Achterbahnfahrt zwischen einigen ‘Ich kündige morgen’ und ‘nur noch ein paar Monate, des Geldes wegen’, als mir dann Anfang September eine Panikattacke gezeigt hat, wo meine längst verloren geglaubten Eier hängen und ich gesagt habe ‘bis hier und nicht weiter‘!

Ich hatte meinem Manager versprochen bis Jahresende zu bleiben, um eine reibungslose Übergabe an meinen Nachfolger zu gewährleisten und fand es sehr hart, dieses Versprechen zu brechen. Ich wäre damals lieber im Erdboden versunken als ihm gegenüber zu treten und ihm zu sagen, dass mir meine Gesundheit wichtiger ist als seine verdammte Statistik.

 

Auch in diesem Fall scheine ich nicht allein zu sein, denn ich sehe ständig irgendwelche Leute krank im Büro sitzen. Wenn man dann fragt warum, ist die Antwort meist, dass es vom Management nicht gern gesehen ist, wenn man sich krank meldet..

1. Ne, echt jetzt??
2. Sagt es doch ziemlich viel über den Zustand einer Gesellschaft aus, wenn irgendein Scheiß, vor allem Arbeit, über der eigenen Gesundheit kommt!

Natürlich muss man sich in solch einer Gesellschaft auch nicht wundern, wenn so ziemlich jedes Produkt auf dem Markt von absolut minderwertiger Qualität ist.

Es hat mich einige Jahre meines Lebens gekostet, endlich die Entscheidung zu treffen, dass depressiv zu sein einfach nicht gut genug für mich ist und dass meine Gesundheit an oberster Stelle zu stehen hat und langsam ist es einfacher für mich, Entscheidungen auf Basis meiner Herzenswünsche, anstatt der Befehle meines Egos zu tätigen.

Natürlich musste ich mir Sprüche anhören, wie: ’Nur weil du gekündigt hast, bist du noch lange nicht in Rente’. Naja, eigentlich schon! Ich werde nämlich sicher nicht mehr in irgendeinem Büro sitzen und mit den Arsch für etwas abarbeiten, worauf ich keinen Bock hab, nur um am Ende wieder tief in der Depression zu landen. Von nun an werde ich nur noch tun was mir Spaß macht und wofür ich eine gewisse Leidenschaft empfinde, was meiner Ansicht nach dann nicht als Arbeit im eigentlichen Sinn bezeichnet werden kann.

Für die letzten 5 Jahre meines Lebens war ich ein Fraud Analyst und ein verdammt guter, aber morgen könnte ich Schriftsteller, Künstler oder Sänger sein, wenn ich darauf Bock hätte. Das wichtigste ist, dass ich Freude daran habe womit ich mein Geld verdiene, auch wenn das Geld um einiges weniger ist als im Büro.

Ich hoffe, dass ich mehr Leute dazu inspirieren kann, das leidige Hamsterrad endlich zu verlassen und wieder etwas mehr Leidenschaft in ihr Leben zu bringen. Diese Leidenschaft, die wir als Kinder alle hatten und irgendwann im Zuge der Domestizierung verloren haben.

Peace!